Oida! Oide! Ehrlich: Wenn ich die Nachrichten aufreiße oder auch nur kurz durch Social Media scrolle, dreht’s mir den Magen um. Überall schreit irgendwas nach mir. Ungerechtigkeiten, Leid, Elend, gefühlte tausend Verbrechen an der Menschheit und der Vernunft – alles gleichzeitig. Meine Aufmerksamkeit wird von allen Seiten angebrüllt: „Guck mich an!“, „Empör dich über mich!“, „Jetzt musst du was tun!“.
Empörung, Wut und Frustration lauern wirklich an jeder Ecke. Die stehen da wie a dicke Schlägertruppe und warten nur darauf, mich in den Schwitzkasten zu nehmen und in den Bauch zu boxen. Und ich? Ich steh‘ da wie der sprichwörtliche Hamster im Rad und frag mich: Wo soll ich denn jetzt als erstes hinrennen? Welches dieser tausend Feuer soll ich als erstes mit meiner kleinen Gießkanne zu löschen versuchen? Und vor allem: Welchen Wahnsinn muss ich heute ausblenden, nur damit ich nicht durchdrehe, weil ich ja eh nichts dagegen tun kann?
In solchen Momenten, wenn der Info-Tsunami über mir zusammenschlägt, da ist die Versuchung riesig. Dieses „Kopf-in-den-Sand-stecken“ sieht plötzlich gar nicht mehr so dumm aus. Einfach alles ausmachen, Decke über den Kopf und warten, bis der ganze Spuk vorbeigeht. Nur – tut er das? Oh nein!
Und dann, genau in diesem ganzen Chaos, flüstert so eine kleine, nervige Stimme in meinem Hinterkopf: „Ähm, hallo? Wollten wir nicht mal über die grundsätzlichen Dinge nachdenken? Du weißt schon: Warum die Welt ist, wie sie ist? Wo der ganze Wahnsinn eigentlich herkommt? Was das wirkliche Problem ist?“ Und der erste Impuls ist dann natürlich: „Bist du jetzt völlig bescheuert? Das ist doch jetzt nicht die Zeit für Philosophie! Jetzt ist Zeit für Action!“
Aber ist sie das? Ist jetzt nicht wirklich die Zeit, um über Grundsätzliches nachzudenken? Wenn ich ständig nur von einem akuten Brandherd zum nächsten renne, bin ich dann nicht einfach nur noch die Feuerwehr, die hinterherläuft, anstatt mal zu fragen, welche Brandstifter da ständig mit dem Feuerzeug hantieren? Vielleicht ist es ja genau das: Vielleicht ist in Zeiten, in denen alles brennt, das Nachdenken über das „Warum“ nicht die Flucht, sondern der wichtigste Schritt zur Brandbekämpfung.
Klar, das klingt erstmal nach ziemlich viel Theorie. Nach Elfenbeinturm-Geschwafel, während draußen die Welt untergeht. Aber mal ehrlich: Wo kann denn die Feder heute noch schärfer sein als das Schwert? Ein Schwert kann vielleicht einen Tyrannen aufhalten – aber eine gute Idee, ein klares Konzept, kann die Gedanken von Millionen Menschen verändern. Und Gedanken verändern die Welt. Das ist keine abgehobene Spinnerei, das ist der dialektische Materialismus pur! Die Verhältnisse zum Tanzen bringen, indem man sie beim Namen nennt und ihre Widersprüche aufdeckt – das ist doch ’ne Ansage, oder?
A
lso, vielleicht ist dieses „Kopf-in-den-Sand-stecken“ ja was ganz anderes. Vielleicht ist es gar kein Verstecken, sondern ein notwendiger Schritt, dem Lärm zu entkommen, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Vielleicht ist es der Moment, in dem ich sage: „Stopp! Ich lasse mich nicht mehr von jeder Empörungswelle durchschütteln. Ich such‘ mir den Punkt, an dem ich gerade wirklich was bewegen kann. Und das ist im Moment vielleicht einfach das Denken und seine Grundlagen.“
Fragen über Fragen, ich weiß. Und genau die wollen wir uns hier stellen. In diesem Blog geht es nicht um die schnellen Antworten von der Stange. Es geht nicht darum, mir die Welt so schönzureden, wie sie vielleicht sein könnte. Es geht darum, sie zu verstehen – mit all ihren Widersprüchen, ihrer Hässlichkeit und ihrem Potenzial.
Ich werde hier ein paar Gedanken, ein paar mögliche Antworten mit dir teilen. Aber sei gewarnt: Mit Sicherheit werde ich dabei noch viel mehr Fragen aufwerfen, als ich beantworte. Aber das ist ja der Punkt! Denn eines ist doch klar: Ohne Fragen gibt es keine Antworten. Und – das ist der Clou, den die ganzen Besserwisser:innen gerne vergessen: Ohne Antworten, ohne den Versuch, die Dinge zu begreifen, versiegen auch irgendwann die Fragen. Und dann sind wir wirklich verloren. Dann sind wir nur noch Hamster im Rad, die sich im Kreis drehend, von einem Brandherd zum nächsten hetzen, ohne zu verstehen, warum es ständig brennt.
Also, lass uns anfangen. Die Welt ist scheiße? Ja, oft genug. Aber sie muss nicht so bleiben. Und der erste Schritt, sie zu verändern, ist, sie zu denken.
Ich könnte auch mit Karl Marx sagen: „Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt drauf an, sie zu verändern.“